Erste Hilfe wenn die Welt ver-rückt.
Nehmen Sie Hilfe an.
Sie haben ein außergewöhnlich belastendes Ereignis hinter sich,
ein/e Mitarbeiter/in des Magdeburger Notfallseelsorge-Teams
war bei Ihnen und hat sich Zeit für Sie genommen.
Mit dieser „Ersten Hilfe“ möchten wir nochmals auf Ihre Situation eingehen.
Vermutlich empfinden Sie so:
Was Sie gesehen und erlebt haben, kommt Ihnen noch alles so unwirklich und unbegreiflich vor. Ihre Welt ist nicht mehr dieselbe, wie sie vorher war.
Ihre Welt ist ver-rückt.
Folgende Empfindungen und Gefühle können nach solch einem schweren Schicksalsschlag bei Ihnen auftreten:
• Angstgefühle
• Hilflosigkeit
• emotionale Schwankungen
• Orientierungslosigkeit
• Albträume
• körperliche Stressreaktionen wie Kopf- oder Magenschmerzen, Frieren, Schweißausbrüche oder ähnliches
• Überempfindlichkeit
• Schreckhaftigkeit
• Schuldgefühle
Diese Gefühle sind nach solch plötzlichen und für Sie schweren Ereignissen vollkommen normal, auch wenn Sie Ihnen und Ihrer Umgebung unnormal vorkommen.
Auch wenn es Ihnen derzeit unvorstellbar ist, mit dieser Situation leben zu können, wird Ihnen dieses nach und nach und Schritt für Schritt möglich sein.
Kein Mensch kann den Tod und die Trennung von einem geliebten Menschen verstehen. Wir können uns jedoch Hilfsmittel und Unterstützung suchen und annehmen – damit wir mit dieser Verletzung weiterleben lernen.
Bei diesem mühsamen Weg kann Ihnen vielleicht der ein oder andere Vorschlag eine Hilfe sein:
Will ich den Verstorbenen noch einmal sehen und von ihm Abschied nehmen?
Wenn Sie den Wunsch haben, den Verstorbenen noch einmal sehen zu wollen, tun Sie das. Trauen Sie Ihrem Gefühl, auch entgegen gut gemeinter Ratschläge von anderen. Sprechen Sie mit dem Bestatter, er wird Sie beraten, in welcher Form das möglich ist. Sie werden später dankbar für diese Entscheidung sein und es wird Ihnen in Ihrer Trauer helfen.
Gehen Sie langsam!
Sie müssen nicht sofort alle Probleme lösen, die sich unter diesen veränderten Umständen vor Ihnen aufgetürmt haben. Vielleicht hilft es Ihnen eher, zunächst Dinge zu tun, die Sie kennen und Ihnen vertraut sind. Dinge die Orientierung geben, Ordnung und Zukunft versprechen.
Behalten Sie – wenn Sie können – Ihren gewohnten Tagesablauf bei. Versuchen Sie geregelte Tätigkeiten wieder aufzunehmen, sobald Sie körperlich dazu in der Lage sind. Tun Sie Dinge, von denen Sie aus Erfahrung wissen, dass Sie Ihnen helfen und gut tun.
Machen Sie Pausen!
Sie können nicht sofort wieder in ein normales Leben zurückkehren, als sei nichts geschehen. Vor Ihnen liegt ein Weg der Verarbeitung. Unterbrechen Sie die Grübelspirale, die sich vielleicht manchmal in Ihrem Kopf selbständig macht. Die Fragen kommen von allein wieder. Sie sollten sich nicht von ihnen beherrschen lassen.
Sprechen Sie mit anderen!
Auch wenn es Ihnen schwerfällt, es hilft, die Gedanken, Gefühle und Erlebnisse mit anderen zu teilen. Vielleicht müssen Sie manches mehrfach erzählen.
Suchen Sie sich fachlich kompetente Hilfsangebote zur Unterstützung. Hier finden Sie nicht nur Menschen, die Ihnen zuhören. Man wird bemüht sein, Ihre Situation zu verstehen und mit Ihnen gemeinsam nach Schritten und Wegen suchen, die Ihnen in der Bewältigung des Erlebten hilfreich sein können.
Seien Sie mutig!
Nehmen Sie Unterstützung an.
Möglichkeiten der Unterstützung:
Telefonseelsorge: kostenlos / rund um die Uhr
Telefon: 0800 111 0 111
Telefon: 0800 111 0 222
Trauerinstitut Pfeiffersche Stiftungen
Magdeburg
Telefon: 0152 / 21 53 19 59
Selbsthilfegruppe Angehörige nach Suizid (AGUS)
Telefon:0176 / 54 45 25 29
WEISSER RING e.V.
Magdeburg
Telefon: 0175 / 6 52 84 47